Deutsche Übersetzung

Tafel 1: Vendsyssel in der Antike – ein unbewohnbares Ödland?

Adam von Bremen, deutscher Mönch (ca. 1040–1081), ist eine der wichtigsten Quellen für die geografischen, politischen und kirchlichen Verhältnisse in Dänemark und dem übrigen Norden im Zeitraum von ca. 870 bis 1070. Ein kleiner Ausschnitt aus Adams Beschreibung von Vendsyssel lautet wie folgt:

„Jütland zieht sich zu der zungenförmigen Ecke zurück, die Vendsyssel genannt wird, und dort endet Jütland. Der Boden ist karg; wenn man die Gebiete in der Nähe eines Flusses ausnimmt, sieht fast alles wie eine Wüste aus.“

„Es ist eine salzige und kahle Heide. Während in Deutschland jede Gegend von düsteren Wäldern bedeckt ist, ist Jütland noch unheimlicher, und man meidet es gerne, zu Lande wegen seiner Unfruchtbarkeit und zu Wasser wegen der Unsicherheit durch die Wikinger. Kaum findet man hier und da etwas Bebaute, kaum geeignet für eine Behausung für Menschen. Aber dort, wo das Meer es in seine Arme schließt, gibt es sogar große Städte.

Adam beschreibt Vendsyssel also fast wie eine Ödnis, in der Menschen kaum leben können, mit wenigen Städten als Ausnahme. Betrachtet man jedoch die archäologischen Funde, ergibt sich ein etwas anderes Bild von Jütland und nicht zuletzt von Vendsyssel…

Tafel 2: Archäologische Funde von Siedlungsstätten rund um die Jammerbucht

Die Karte oben zeigt einen umfassenden Ausschnitt der Funde rund um die Jammerbucht. Die Funde stammen aus der jüngeren Eisenzeit über die Wikingerzeit bis hin zum frühen Mittelalter. Wie die Karte zeigt, gab es in Vendsyssel weitaus mehr menschliche Aktivitäten, als Adam von Bremen uns glauben machen will!

Links: Ausgrabung einer Wikingerhalle in Hune aus der Zeit um 900-1000. Die Halle war ca. 10 Meter breit und 40 Meter lang. Foto: Nordjyske Museer.

Unten: Visualisierung einer Wikingerhalle von innen. Das Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Ganz unten: Ein Wohnhaus für eine Familie und eine Wikingerhalle: das Machtzentrum der Siedlungen. Das Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Tafel 3: Die Ausgrabung beim Gesundheitszentrum Pandrup

Bevor 2012 mit dem Bau des Gesundheitszentrums Pandrup begonnen wurde, führten die Nordjyske Museer eine Ausgrabung des Geländes durch.

Hier fanden die Archäologen Überreste von 12 Gebäuden, die frühesten aus der Zeit um 500 v. Chr. und die jüngsten aus der Zeit um 1050 – dem Übergang von der Wikingerzeit zum Mittelalter.

Die Karte oben zeigt das Ausgrabungsgebiet, markiert mit einer blauen Linie. Die Karte rechts zeigt die Funde. Die grünen Punkte zeigen das gefundene Langhaus aus der Zeit um 1050.

Die übrigen Punkte stehen für ältere Gebäude und zeugen von reger Aktivität in diesem Gebiet in verschiedenen Epochen.

Links: Ein Querschnitt, der zeigt, wie ein Langhaus aus der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter ausgesehen haben könnte.

Unten: Eine Visualisierung, wie eine Siedlung in der Wikingerzeit ausgesehen haben könnte. Das Langhaus ist der Mittelpunkt der Siedlung und wird von kleineren Wohnhäusern und Grubenhäusern umgeben. Die Bilder wurden mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Tafel 4: Küstenlinien, Wasserstand und Handelsrouten

Dänemark hat eine Küstenlinie von etwa 8.750 km Länge.

Die Küste verändert sich ständig in Abhängigkeit vom Wasserstand, und aus der jüngeren Eisenzeit haben wir etwas so Seltenes wie einen aktuell datierten Wasserstand.

Dieser befindet sich im Kanhavakanal auf Samsø, wo der Wasserstand im Jahr 726 n. Chr. mit plus 90 cm im Vergleich zu heute gemessen wurde.

Andere Forschungen zeigen, dass es an mehreren Orten in Nordeuropa Wasserstände gegeben hat, die bis zu 3 Meter höher waren als heute, weshalb es durchaus möglich ist, dass dies zeitweise auch für das Gebiet um Jammerbugt gegolten hat.

Das Meer und die Wasserwege waren für das Land und die gesamte Bevölkerung von unschätzbarer Bedeutung. Oft gab es nicht viele Straßen oder Brücken, sodass Handel und Kontakt mit der Welt mit Schiffen als Transportmittel stattfanden.

Der Kanhavekanalen – eine Abkürzung durch Samsø. Die 500 Meter lange Vertiefung in der Landschaft teilt Samsø an der schmalsten Stelle der Insel in zwei Teile. Foto: Samsø Museum.

Die Karte zeigt einen Ausschnitt der Handelsrouten vom Norden in die Welt während der Wikingerzeit.

Der Meeresspiegel war damals höchstwahrscheinlich höher als heute, was die Lage der Dörfer und Städte im Inneren des heutigen Festlandes erklärt.

Typische Importgüter waren Glaswaren, Kleider (Stoffe), Schmuck, Wein, Kupfer, Zinn und Blei. Typische Exportgüter waren Pelze, Bernstein, Walrosszähne, Schiffe, Sklaven und Wollwaren. Auch äußerst seltene Waren wie Lapislazuli (blauer Farbstoff) aus Afghanistan wurden in Nordeuropa gefunden.

Tafel 5: Weit entfernt von der Landschaft, die wir heute kennen

Wenn wir den Wasserstand um drei Meter anheben, entsteht ein anderes Jammerbugt. Die blauen Markierungen auf der Karte sind heute Landgebiete, aber in der Wikingerzeit waren sie von Wasser bedeckt.

Gebiete, die heute Felder und Städte sind, waren einst Fjordarme, Feuchtgebiete und schiffbare Routen. Das Wasser war keine Grenze, sondern eine Verbindung: eine Voraussetzung für Handel, Kontakt und Bewegung in der Eisenzeit, der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter.

Auf der Karte ist der Wasserstand um 3 Meter angehoben. Die blauen Gebiete lagen in der Wikingerzeit unter Wasser. Die Karte ist eine Klimaanpassungskarte, die die Folgen von Wasserstandsanstiegen und Sturmfluten zeigt. Nur Gebiete, die heute mit Fjorden, dem Meer und Flüssen verbunden sind, sind auf der Karte markiert, daher ist es wahrscheinlich, dass in der Wikingerzeit noch mehr Gebiete unter Wasser standen. Quelle: Klimatilpasning.dk.

Tafel 6: Vendsyssel in der Antike – weit entfernt von einer Einöde!

Adam von Bremen beschrieb Vendsyssel als eine „Einöde” – einen abgelegenen und fast unbewohnten Teil der Welt. Die archäologischen Funde hier in Jammerbugt erzählen jedoch eine andere Geschichte: Hier lebten Menschen, man baute Schiffe, ritzte Runen und schuf Gemeinschaften in der Landschaft.

Die Funde sind mehr als nur alte Spuren der Vergangenheit – sie sind Zeugnisse von Leben, Beziehungen und Handlungen, die über tausend Jahre überdauert haben. Vendsyssel war keineswegs öde, sondern ein Ort voller Leben, Gemeinschaft und Abenteuer.

Wenn man etwas tiefer und weiter schaut, sieht man, wie sich die Vergangenheit in der Landschaft verbirgt – und wie viel reicher die Geschichte wird, wenn wir sie mit eigenen Augen sehen und erleben.

Geschichte kann auch außerhalb von Museen erlebt werden. Die Runensteine auf den Bildern stehen in der Hune-Kirche bzw. der Jetsmark-Kirche – und die Runen auf den Steinen sind über 1000 Jahre alt!

Der Text auf dem Hune-Stein lautet: „Hove, Thorkil und Thorbjørn setzten ihren Vater Runulv den Ratsklugen Stein“, und auf dem Jetsmark-Stein: „Hove setzte den Stein nach seinen Brüdern Thorlak und Ride“.